Fechten

Korporationen, die heute noch fechten, müssen sich Fragen anhören, wie:

  • WARUM fechtet ihr ?
  • WAS soll das bezwecken?
  • WAS gibt es Euch ?
  • IST es noch zeitgemäß ?

 

Die Urburschenschaft kannte keine „Pflichtmensuren“. Für die aus den Freiheitskriegen zurückgekehrten Studenten war es aber selbstverständlich, dass sie Ehrverletzungen mit der Waffe bereinigten, sie gaben „unbedingte Genugtuung“. Waffen trugen die umherziehenden Studenten seit dem Mittelalter, vornehmlich zur Selbstverteidigung. Während die Bereinigung von Ehrverletzungen mit der Waffe im Laufe der Zeit immer ungebräuchlicher wurde, erkannte man den Wert des Fechtens für den Zusammenhalt der Verbindung. So wurde die Eignungs-Prüfung durch die Mensur auch Gegenstand bei den Burschenschaften. Heute geht einer Mensur in der Regel keine Beleidigung voraus, vielmehr werden die Mensuren von Fechtwarten nach Können der Beteiligten verabredet (Verabredungsmensuren).

Das Pauken, bzw. das "auf Mensur gehen", wie es im waffenstudentischen Jargon genannt wird, ist gleichzusetzen mit einer ehrenvollen Mutprobe, bei der es hauptsächlich um die Auseinandersetzung mit der Gefahr verletzt zu werden, geht.
Wer jetzt aber denkt, es handele sich bei uns um hirnlose Idioten, die unbedingt eine Mutprobe abliefern müssen, hat nicht verstanden, worum es eigentlich geht. Nämlich um folgendes:

Das Fechten stammte aus einer Zeit, als im vorigen Jahrhundert es in Mode kam, sich zu duellieren. Aber nicht nur Ehrenhändel unter den privilegierten Schichten, sondern auch unter den Studenten, waren an der Tagesordnung. Zudem mußten die Studenten sich, aufgrund von politischer Verfolgung, zur Wehr setzen können, wollten sie weiter in Freiheit und am Leben bleiben.
Wurde man hingegen auf irgend eine Weise beleidigt, forderte die Ehre nach Satisfaktion. Die Wiederherstellung der Ehre war oberstes Gebot und ging meist nicht unblutig aus.
So wurde mit der Zeit aus der zum guten Ton gehörenden Verteidigungsfähigkeit, mehr und mehr eine Charakterprobe. Diese, war die Voraussetzung für Aufnahme in den Kreis gleicher Vollmitglieder der Verbindung.

 

Einige der Verbindungen waren aus heutiger Sicht wegen ihrer radikalen linken politischen Umtriebe verboten worden und das Fechten schweißte sie zusammen; denn in einer Zeit, in der das Fechten immer stärker verboten wurde, war das Fechten und das Wissen darum ein gutes Mittel, um die Bundesbrüder nach innen und nach außen hin zu stärken und zur Verschwiegenheit zu verpflichten. Dieses so geknüpfte enge Band der Treue, verstand man auch so, daß man sich in bedrängten Situationen half, zum Beispiel auf der Flucht vor des Landesherren Häschern.

Geblieben ist uns, aus dieser für Corporationen gefährlicher, wenn auch romantischer Zeit, die Mensur. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen "mensura" ab, was so viel bedeutet, wie Abstand. Gemeint war der Abstand zwischen den beiden Contrahenten, Fechtern.

 

Da Auseinandersetzungen, die blutig enden konnten, zwischen zwei Mitgliedern derselben Corporation meistens nicht gestattet waren, mußte man gegen, bzw. mit anderen Corporationen fechten. Die beiden Gegner einer Mensur wurden von den anderen Mitgliedern ihrer Verbindung ausgewählt, bestimmt. Somit war die Bestimmungsmensur geboren. Sie endete und endet nicht mit dem Tode einer der beiden Contrahenten, sondern mit einem "Schmiß". Floß also Blut, war die Bestimmungsmensur damit beendet, da es aber keinen feindseeligen Anlaß hierfür gegeben hatte, trank man ein Bier zusammen und bewertete das Austeilen und das Empfangen eines "Schmisses" als talentiert und mutig. Aus den beiden Fechtern wurden manchmal sogar Freunde, denn man hatte das gleiche zur gleichen Zeit miteinander erlebt und durchgestanden.
Heutzutage wird nur noch der Arm, der den Schläger führt, bewegt. Dies verringert die Verletzungsgefahr erheblich.

 

So sind die blutigen Duelle des letzten Jahrhunderts, heute zu einer Art Sport mit verhältnismäßig geringem Verletzungsrisiko geworden. Denn anders als bei Kontaktsportarten, wie Boxen, Fuß- oder Handball, kann beim studentischen Fechten, keine Langzeitschädigung auftreten. Außerdem muß bei jeder Mensur ein Arzt anwesend sein.
Jedoch ist die Gefahr, verletzt zu werden, immer noch gegenwärtig. Und genau diese Gefahr soll "durchgestanden" werden; denn erst wenn der eigene Schweinehund besiegt wird, zeigt man, daß man für die Gemeinschaft einstehen will. Dieses "Ritual" mag vielen altmodisch erscheinen, hat sich aber auf Dauer bewährt. Für die Bundesbrüder untereinander besteht danach die Gewissheit, daß man sich in jeder Lebenslage aufeinander verlassen kann. Dies ist der eigentliche "Sinn", den diese Mutprobe heute erfüllt. Natürlich kann man der Mensur, gerade in Zeiten von Extremsportarten, auch einen gewissen Reiz abgewinnen.

Wer dies einmal erlebt hat, weiß was ein Adrenalinkick ist !

Wer nun interessiert ist, einmal das studentische Fechten kennenzulernen, kann dies in den Pauk- bzw. übungsstunden gerne tun. Jeder sei herzlich eingeladen, sich selbst vor Ort einmal ein Bild zu machen.

Nebenbei haben wir auch die Möglichkeit, andere Fechtarten wie Sportfechten (Säbel, Degen, Florett) und Kendo zu praktizieren.

 

 

Nachstehend ist ein Kurzfilm zum akademischen Fechten unserer lieben Kartellburschenschaft Teutonia Jena zu finden. KLICKEN

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